Wuppertal (1996),
Der lauz und die Musik: Ein ganz besonderes Duo
Jean Sasportes und Peter Kowald zeigten im Arrenberger Forum die Frùchte ihrer Zusammenarbeit.
Von Anne Kathrln Reif
" Jeder Mensch hat ein Gesicht", sagt der französische Philosoph Emmanuel Levinas. Gewiß, aber Jean Sasportes hat ein besonderes Gesicht. In vielen Stücken des Wuppertaler Tanztheaters von Pina Bausch, dem der Tänzer seit 1979 angehört, trägt es zu deren unverwechselbarem Charakter bei. Das wesentliche Prinzip des Tanztheaters: den Zusammenhang sichtbar zu machen zwischen dem, wie ein Mensch sich bewegt und de, was ihn bewegt. hat Sasportes auch für seine Arbeit als SoloTänzer übernommen. Ob der inoffizielle Mitarbeiter", das Mädchen" oder die Diva, es slnd unendlich traurig-komische, anrührende Figuren, die der Tänzer in den gleichnarnigen short pieces entstehen läßt. Anders, als das auf der großen Bühne moglich ist, erlaubt ihm die geringere Distanz zum Publikum, auch mit kleinsten Nuancen zu arbeiten. Wieviel die Ait. einen Fuß aufzusetzen, einen Finger zu heben, ein Lächeln zu wagen, über einen Menschen und sein leben erzählen können, führt Jean Sasportes eindrucksvoll vor: Das ist Tanz bis in die Gesichtsmuskeln. Kongenialer Partner dieser Solo-Arbeit ist der Kontrabassist Peter Kowald, weit über Wuppertal hinaus bekannt a!s einer der Protagonlsten des europaischen Free Jazz. Der Solist, der kürzlich mit dem hochdotierten Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde, erweist sich hier als überaus sensibler Duo-Partner. Bei allem Spielraum hir Improvisation und obwohl er wie sonst auch völlig in sich gekehrt mit seinem Instrument zu verschmelzen scheint, spielt Kowald nie an Geschehen vorbel, sondern trägt, unterstützt und ergänzt in jedem Augenblick die Bewegung des Tânzers. Die ,,Short Pieces" sind als work in progress" zu verstehen; sie verändem sich, neue kommen hinzu. Während in den früheren Stücken eine Figur Ausgangspunkt des Zusaminenspiels zwischen Tânzer und Musiker ist, wird jetzt auch der umgekehrte Weg versucht: Die Musik eröffnet den Raum, in den hinein sich die Newegung entwickelt. Als erstes Ergebnis war das Stück When the troubler come..." zu sehen, das als ebenso gelungen gelten kann, wie die davor. Auf die weitere Entwicklung dieser fruchtbaren Zusammenarbeit darf man gespannt sein.
WZ Freitag 8. November 1996
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